Das Problem
Die anmelde- und liezenzfreien PMR-Funkgeräte
gibt es
mittlerweile in jedem Elektro-, Bau- und Verbrauchermarkt und mit
schöner Regelmäßigkeit auch in
Supermärkten.
Insbesondere diese preisgünstige Abgabe an Laufkundschaft
erhöht zwangläufig die Zahl der Benutzer und
schlimmsten
Falls die Zahl der gleichzeitigen Teilnehmer auf einem Kanal.
Mittlerweile werden PMR-Funkgeräte als Babyphone oder
Kinderspielzeug mißbraucht, von Fahrschulen verwendet (obwohl
es
eines eigenes exklusives Fahrschul-Frequenzband gibt) und sogar von
Filialen einer Kette im gleichen Einkaufszentrum.
Man hört also sehr oft Fahrschüler, Bauarbeiter,
Verkäuferinnen, Baby und Rotzblagen auf den gerade mal 8
Kanälen. Im ganz übelsten Fall nutzen sie auch noch
alle den
allgemeinen Anrufkanal 2.
Man hat also als nicht-lizensierter Funker also nur wenige
Ausweichmöglichkeiten. Penetrante Spammer folgen einem leider
per
Scan-Funktion auch auf einen der anderen 7 verbleibenden
PMR-Kanäle. Auch CTCSS
bietet nicht immer Exklusivität. Es ermöglicht zwar
das
Herausfiltern von unerwünschten Sendungen beim Empfang,
vermeidet
aber keine Empfangsstörungen, wenn sich andere Teilnehmer auf
dem
gleichen Kanal tummeln. Die verschiedenen Streufrequenzen mit
verschiedenen Sendeleistungen stören sich auch trotz dieser
Pilottöne.
Die
Alternativen
Es müssen also freie Kanäle her! Doch es
gibt nur
wenige Frequenzbereiche, die für den Jedermannsfunk freigeben
sind.
Für alle anderen ist entweder eine (Amateuerfunk)Lizenz
erforderlich, oder sind schlichtweg für die private Funker
freigeben (Rundfunk, BOS, Militär, Taxifunk, usw.)
Freigeben sind u.a. der klassische CB-Funk
(Citizens
Band
= Bürgerfunk) im 11m Band (um 27 MHz). Jedoch sind die
tragbaren
Handgeräte hier recht klobig und sie fall durch eine extrem
lange
Antenne (im Vergleich zu den PMR-Stummeln) auf. Schließlich
handelt es sich hier bei um eine Funkanwendung im Kurwellenbereich. Mit
den dazu nötigen längeren Antennen lassen sich auch
größere Distanzen überwinden, idealerweise
befestigt
man sie am Auto oder auf dem Dach/Balkon. Wie gesagt, alles andere als
optimal für die Jackentasche.
Angefangen hat der ganze Nahbereichsfunk (engl SDR, Short Distance
Radio) in Deutschland in den 1990er. Bevor es PMR-Funkgeräte
gab,
tauchten im Elektronikhandel die ersten Freenetgeräte auf. Freenet
ist eine lizenzfreie Funkanwendung für Jedermann im 2m-Band
(um
149 MHz). Die Leistung der Handgeräte mit festeingebauter
Antenne
ist wie im PMR-Band auf 500mW begrenzt.
Durch die niedrige Frequenz (gegenüber PMR bei 446 MHz) ist
die
Funkanwendung weniger geländebedingten Störungen
(durch
Berge, Täler, Gebäude, Wald), es können
sogar
Entfernungen von bis zu 5km überwunden werden Damit kommt
diese
Funkanwendung an den lizenzpflichtigen Betriebsfunk ran, der hohe
Gerätepreis aber auch.
Der nächste freigebende Frequenzbereich liegt im 70cm
Amateurfunkbereich (bei 433/434 MHz) und nennt sich LPD (Low Power Device).
Nur das schmale Frequenzband von 433,075 bis 434,775 MHz ist lizenzfrei
auch von Nicht-Amateurfunkern benutzbar, jedoch nur mit einer maximalen
Ausgangsleistung von 10mW. Dafür können die
Funkteilnehmer
auf 69 Kanäle ausweichen.
Auch hier müssen die Geräte eine festeingebaute
Antenne
besitzen und dürfen baulich nicht verändert werden,
da sonst
ihre Zulassung erlischt. Die Handgeräte haben die gleiche
Größe wie PMR-Geräte, von denen sie sich
äußerlich nicht unterschieden.
Die Nutzung von LPD ist in Europa nur in Deutschland,
Österreich
und Holland erlaubt. PMR hingegen ist EUweit freigegeben und eignet
sich daher besser für Auslandsaufenthalte.
Auch in Deutschland wird es LPD nicht ewig zur freien
Verfügung
stehen. "Das 433-MHz-ISM-Band darf in Deutschland nur noch bis Ende
2013 für
Sprach- und Datenübertragung verwendet werden. Danach ist das
Band
für 'technische Anwendungen' reserviert. In
Deutschland hat
die Bundesnetzagentur das Inverkehrbringen neuer
Sprechfunkgeräte
nicht mehr empfohlen."[1]
Kombipack Warum sollte man also nicht auf die
Kanäle des
LPD-Bandes ausweichen, wenn diese noch bis 2013 kostenlos und
lizenzfrei
zur Verfügung stehen?
Nun könnte man sich bei ebay oder auf dem Trödel ein
extra
LPD-Funkgerät kaufen, welches man parallel zum vorhanden
PMR-Gerät in der Tasche hat.
Doch diese doppelte Schlepperei ist oft unnötig.
Wie schon gesagt, sind die LPD-Geräte im Design mit
PMR-Geräten fast identisch. Aber auch das Innenleben weist oft
Gemeinsamkeiten auf!
Beide Geräte senden im 70cm Amateurfunkband, LPD bei ca. 434
MHz,
PMR bei ca. 446 MHz. Nun sind die eingesetzten Funkquarze bauartbedingt
oft für ein breiteres Frequenzspektrum auslegt als nur
für
den sehr schmalen freigebende
Frequenzbereich. Der Quarz kann also
sowohl für LPD-Frequenzen als auch PMR-Frequenzen abgesteuert
werden. Sind ja auch nur ca. 12 MHz Unterschied ;)
Alles eine Frage der Einstellung!
Das haben sich auch viele Funkgeräte-Hersteller gedacht und
direkt
Dualband-Geräte auf den Markt gebracht. Dualband ist hier wie
beim
Mobilfunk (D-Netz 900 / E-Netz 1800 MHz) gemeint: Betrieb entweder in
dem einen Band (PMR) oder dem anderen (LPD)! Man also mit nur einem
Gerät zwei Funkanwendungen nutzen (natürlich nicht
gleichzeitig).
Wie eingangs geschrieben, wird der Elektronikmarkt mit
unzähligen
PMR-Geräten jeglicher Preisklasse zugepflastert. Darunter
befinden
sich sowohl ausgewiesene Dualband-Geräte als auch
Geräte mit
einer versteckten Umschaltmöglichkeit. Ersteres bekommt man
durch
aufmerksames Studieren der Produktbeschreibung, der Bedienungsanleitung
oder der Menüstruktur heraus. Letzteres nur durch
einschlägige
Quellen von Bastelfreunden.
In diesem Beitrag wollen wir schau'n, welche Geräte man wie
als Dualband-Gerät benutzen kann.
Fertige
Dualband-Geräte (umschaltbar
im normalen Menü)
Ausgewiesene Dualband-Geräte sind laut
Produktbeschreibung z.B. diese hier.
Bzw. einige Modelle werden zwar nicht als PMR-LPD-Kombigerät
verkauft, können aber ohne Umbau einfach im
Software-Menü erweitert werden.
dnt WT77**
dnt XLP 77
dnt Profitek 77/77s
dnt DRS 1000/2000
Tsuen
Shing WT405/401*
WT-405/415 DuoPager *
Conrad
Pocket Comm Adventure* (baugleich mit WT77)
TEAM UHF Handy*
TEAM Dual Talk*
Conrad
Pocket Comm Double** (baugleich mit TEAM Dual
Talk)
Das "Team Talk & Radio TR-446" ist äußerlich
baugleich
mit dem WT77, hat aber statt dem LPD-Modus einen
UKW-Hörfunkempfänger eingebaut.
Generell sind einige Geräte baugleich, aber unter
verschiedenen Namen im Handel erhältlich.
Das dnt WT77 ist z.B. baugleich mit dem "Adventure"-Modell von der
Conrad-Hausmarke "Pocket Comm". Die haben übrigens sogar die
gleiche Software wie das "Pocket Comm Double", nur eine andere Bauform.
Und so weiter und so fort.
So wie ich eine ergooglte Quelle[2]
verstanden habe, basieren sie alle auf dem WT405 Schaltkreis beruhen.
Diese ins der Tabelle mit* markiert
Bei den Modellen, die mit ** markiert sind,
kann ich das durch eigenes Ausprobieren sogar bestätigen.
Welche Vorteile die gemeinsame Software und die gleichen Chips
haben, zeigt sich gleich.
Software-Modifikationen
beim WT405-Chip
Wie bereits oben aufgeführt hat bringt der Betrieb im LPD-Band
zwar mehr Ausweichmöglichkeiten aud 68 Kanäle, jedoch
mit
einer geringeren Leistung von nur 10mW. Das bedeutet natürlich
eine geringere Reichweite im Vergleich zum PMR-Modus mit seinen 500mW.
Daher wäre das ausweichen ins LPD-Band nur eine
Lösung für den Nahbereich.
Jedoch gibt es einen Trick wie man die Leistung der Geräte
auch im
LPD-Band auf 500mW erhöhen kann. Dies ist bei den
Geräten den
obengenannten Modellen mit identischer Software möglich.
Die
Modelle, bei denen der folgende Trick funktionieren soll, sind mit *
markiert und alle beiden ich es sogar ausprobieren können
tragen ein **. Als
Beispiel dient das WT77 von dnt.
ACHTUNG:
Die Bundesnetzagentur sieht vor, dass der anmelde- und unlinzensierte
Betrieb im LPD-Band nur mir einer maximalen Ausgangleistung von 10mW
erlaubt ist. Mit der Modifikation erlischt die allgemeine
Betriebserlaubnis der Geräte und der Betrieb in der
Bundesrepublik
Deutschland stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.
Daher erfolgen Modifikation und Betrieb auf eigenes Risiko. Dieses
Tutorial dient dabei lediglich zur Anschauung, was bei diversen
Funkgeräten technisch möglich ist.
Um die Ausgangsleistung für das dnt WT 77 (und bau- bzw.
softwaregleiche) im LPD-Band zu
erhöhen auf 500mW sind keine Eingriffe im Gerät
erforderlich.
Es werden nur einige Einstellungen im Menü vorgenommen. Dieses
Menü ist im Auslieferungszustand nicht zu sehen (versteckt)
und muss
erst freigeschaltet werden.
Dazu
muss man das Gerät mit einer Tastenkombination
einschalten.
Verfügbare Bänder erweitern und
Leistung erhöhen
Gerät abschalten
Die grüne Taste und die Pfeil nach oben
Taste gleichzeitig drücken und das Gerät einschalten.
Die drei Tasten müssen dabei solange festhalten werden bis der
zweite Piepton
ertönt!
Bänder in gewünschter Kombination (L =
LPD,
P=PMR, K=KDR, PKL=PMR+KDR+LPD ) mit den up/down Tastenauswählen
Leistung auswählen: HI (High/Hoch, 500mW) oder LO
(Low/Niedrig, 10mW)
Fertig
Die sechs zusätzlichen Kanäle liegen im KDR-Band.
Dies ist
das skandinavische Äquivalent (Kort Distanse Radio) zum
PMR-Band
(Private Mobile Radio).
Der Vollständigkeithalber hier deren Frequenzen: 444.600 (ch1)
444.650(ch2) 444.800(ch3) 444.825(ch4)
444.850(ch5) 444.875(ch6)
Die Leistung der meisten Geräte in diesem Band liegt bei 500mW.
ACHTUNG:
In Deutschland ist liegt dieser Frquenzbereich jedoch im
BOS-Band, dem Frequenzband für "Behörden
und Organisationen
mit Sicherheistaufagben"
(Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen, THW, usw.). Die Verwenung der
KDR-Kanäle in Deutschland ist natürlich untersagt.
Auch wenn
man auf den Kanälen keinen Sprechfunkverkehr hört,
kann es
sein, dass man mit unlizensierten Betrieb auf diesen Bändern
den
Betrieb von Relaisstationen stört.
Völlig legal ist hingegen dieser Zusatztipp:
Roger Beep aus/einschalten (Der "Roger Beep" ist der Ton, welcher vom Gerät
mitgesendet
wird, wenn man die Sendetaste loslässt. Der Ton soll dem
Empfänger mitteilen, dass man die Sendung beendet hat)
Gerät abschalten
Down-Taste festhalten und Gerät
einschalten
Roger Beep einschalten oder ausschalten
Fertig
Bei
Geräten, die oben
in der Liste eine #-Markierung besitzen, sind ebenfalls Software-Hacks
möglich. Diese alle aufzuführen, wäre noch
umfangreicher, als dieser Artikel allein schon ist. Ich verwiese daher
auf die Website www.on-radio.de,
welche solche Hacks sammelt.
Geräte
mit versteckten Dualband (hier ist
eine Modifikation auf der Platine notwendig)
Wie
bei diesen Modellen eine Modifikation vorgenommen werden
kann, ist auf der Seite von On-Radio[3]
beschrieben.
Dabei gelten die gleichen rechtlichen Bedingungen, wie bei der
Software-Modifikation.
Beim Eingriff in das Gerät erlischt natürlich die
Gewährleistung/Garantie.
Intek/KPO PB 1000
Intek/KPO SL 01
Team Tecom 446
dnt Sporttec
dnt Mini Pocket
Elix SL 01[4]
innen
baugleich sind diese Modelle[5]:
Danita TC 109
Binatone MR 100
Commodore Funpack II
Tevion PMR 2003
Zodiac Me2You
Logicom Spider 700
Kombix Rocky
Auf
der genannten Webseite gibt es auch Umbauanleitungen für die
fertigen Kombigeräten. Durch Umlöten lassen sich dort
auch die Leistung und der Frequenzbereich erweitern. Das ist
natürlich nicht so leicht reversibel wie bei einer
Software-Modifikation.